Ein Stück vom Kuchen

Unbestritten ist, dass eine möglichst breite Streuung des Eigentums für politische Stabilität der demokratischen Gesellschaft unerlässlich ist.

Dennoch finden wir uns im späten 18. Jahrhundert wieder, als aufgeschlossenere politische Ökonomen bereits dieselben Schlussfolgerungen gezogen hatten. Auch im Zeitalter der großen sozialen und wirtschaftlichen Reformen vom ausgehenden 19. Jahrhundert bis in die 60er Jahre herrschte dieselbe vorsichtige Betrachtung des Eigentums und der Risiken, die die Konzentration von Kapital birgt, vor.

Die Frage, die sich heute stellt ist, wie denjenigen Zugang zum marktwirtschaftlichen System des Eigentums ermöglicht werden kann, die im Laufe der Geschichte davon ausgeschlossen wurden. Dies ist die große Mehrheit der Bevölkerung, die historisch Besitzlosen, diejenigen, die Louis Kelso „erbliche Arme“ nannte. Sie waren arm, so Kelso, weil sie nicht das besaßen, was ihnen ermöglicht in einer fortgeschrittenen industriellen Gesellschaft materiellen Wohlstand zu produzieren, in einem Wort, sie besaßen kein Produktivkapital.

Die Katastrophe aus 2008 hat in sehr geringem Ausmaß Forderungen nach radikalen Finanz-, Steuer- oder Eigentumsreformen nach sich gezogen.

Im Gegenteil, die Finanz-Ungetüme, einst als „zu groß zum Scheitern“ erklärt, sind heute sogar noch größer und reicher, während das Leben des einfachen Bürgers unsicherer denn je geworden ist.

In Deutschland befanden sich noch vor der Krise 2007 80% des Gesamtvermögens in den Händen der reichsten 20% der Bevölkerung, während 50% entweder über gar kein Vermögen oder über „negatives Vermögen“ – ein Euphemismus für ihre Verschuldung – verfügten. Selbst Deutschland also, dessen soziale Marktwirtschaft verfassungsrechtlich auf einer Eigentümer-Gesellschaft gründet, ist eine Gesellschaft, in der die Mehrheit entweder wenig oder gar nichts besitzt.

Nichtsdestotrotz beklagt der deutsche Philosoph Peter Sloterdijk unter Verweis auf die Hälfte der Bürger unserer Gesellschaften als „Bezieher von Null-Einkommen oder niedrigen Einkünften, die von Abgaben befreit sind und deren Subsistenz weitgehend von den Leistungen der steueraktiven Hälfte abhängt“ die Ausbeutung der Produktiven durch die Unproduktiven. Er fragt allerdings nicht, warum die eine Hälfte der Bevölkerung von den Almosen der anderen Hälfte wirtschaftlich abhängig ist.

Warum besitzen einige wenige die materiellen Ressourcen, von denen alle leben?

Marx hat versucht der zunehmenden Diskrepanz zwischen den Produktivfaktoren Rechnung zu tragen, indem den Produktivitätszuwachs des Kapitals dem Faktor Arbeit zuschrieb. Maschinen, so Marx, wirken „umsonst, ganz wie ohne Zutun menschlicher Arbeit vorhandene Naturkräfte“. Die Natur stellt jedoch weder Instrumente zur Kapitalaneignung noch schenkt sie Eigentum.

Der Beitrag von Maschinen zum Produktionsprozess ist das Ergebnis von Investitionen. Ihre Finanzierung geschieht durch die Allokation von Kapital und Kredit. Doch dafür gibt es eine Voraussetzung: Zur Erlangung von Fremdkapital muss der Kreditnehmer Sicherheiten dafür bieten, dass dieses auch zurückgezahlt wird. Nur wer bereits vermögend ist, kann dieses Kriterium erfüllen. Verfügten die Armen über das erforderliche Vermögen, wären sie jedoch nicht arm…

Die Katze beißt sich in den Schwanz: Arme sind somit unsichtbar aber effektiv vom Erwerb nicht-menschlicher Güter ausgeschlossen, die mehr und mehr den industriellen Reichtum produzieren. Sie bleiben in der Produktivitätsfalle der Arbeit stecken. Die voranschreitende industrielle Revolution zieht an ihnen vorbei und lässt sie immer weitere zurück.

Konsequent wird Umverteilung mit Hilfe des Steuersystems – unpopulär und ineffizient wie sie ist – immer mehr zur Notwendigkeit, um den Massenkonsum zu stützen und die abhängig beschäftigte Mehrheit der Bevölkerung zu ernähren. Regierungen sind folglich gezwungen das Vermögen derer zu besteuern die es besitzen.

Die Alternative zur Umverteilung ist eine Politik zur Förderung der Vermögensbildung und breiteren Streuung von Eigentum.

Das soziale Ideal sollte sein, Wohltätigkeit überflüssig zu machen. Indem der Bürger in die Lage versetzt wird, seine Existenz selbst zu erhalten, wird er von öffentlicher Wohlfahrt unabhängig. Von Almosen abhängig zu sein, ist erniedrigend und beschädigt die Würde, andernfalls wäre ein Phänomen wie die „working poor“ schwer vorstellbar.

Deshalb hat jeder Bürger einen rechtmäßigen Anspruch auf ein STÜCK VOM KUCHEN!

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Intercentar is devoted to dealing and promoting the idea of Employee Financial Participation for a more just society.

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